Die Kunstform des europäischen
zeitgenössischen
Tanzes steht in der Tradition von den Gründern des modernen
Tanzes, Rudolf von Laban und dessen Schüler Kurt Joos.
Zeitgenössische große Choreografinnen wie Pina
Bausch oder Sasha Waltz sind geprägt durch ihre Arbeit,
erweitern sie aber auch zum Beispiel durch die Einbeziehung
spartenübergreifender Kunstformen, wie Bildende Kunst und
Livemusik.
Seit Pina Bausch, die den Begriff Tanz-theater weltweit durch ihre
Arbeit bekannt gemacht hat, gibt es den Begriff Solotänzer(in)
nicht mehr. Von ihrer Zeit an ist im zeitgenössischen Tanz
jede Tänzerin und jeder Tänzer eine eigene
Persönlichkeit auf der Bühne, verschwindet nicht im
corps de ballett.
Definition:
Zeitgenössischer
Tanz
Der zeitgenössische Tanz versteht sich nicht auf der Basis nur
einer Technik oder ästhetischen Form, sondern aus der Vielfalt
heraus. Er sucht
Grenzüberschreitungen zwischen den Künsten und bricht
immer wieder mit vorhandenen
Formen. Zeitgenössischer Tanz in diesem Sinne hat eine offene
Struktur, die
sich bewusst von festgelegten, linearen
Entwürfen der Klassik und Moderne
absetzt.
Zeitgenössische
Tänzerinnen und Tänzer sowie Choreografen
verstehen ihre Arbeit als Suche und
Entwicklung. Zeitgenössischer Tanz ist Prozess
orientiert und die Ergebnisse
stehen im Kontext einer persönlichen
Gesamtentwicklung. Praktisch heißt das:
Recherche in der Bewegung und dem Körper,
Bewusstseinserweiterung und neues
Körperverständnis
als Forschungsschwerpunkt. Forschung und neue
Tanzentwicklung stehen neben
der Vermittlung von Techniken.
Johannes Odenthal, Tanzwissenschaftler.